Datenhandel
Freitag, Oktober 16th, 2009 um 22:06 | Wasimasawo, Wohnen
Das Einwohnermeldeamt dieser Stadt ist ein wenig seltsam.
Zum einen besteht ein riesengroßer Unterschied zwischen Hauptwohnsitz und Erstwohnsitz.
Ich habe mich damals mit Hauptwohnsitz hier angemeldet, deswegen kriege ich die jährlichen einhundert Euro Einwohnerbonus nicht, die alle kriegen, die sich hier mit Erstwohnsitz anmelden.
Das fand ich ja schonmal nicht so nett.
Besonders, weil ich damals nachfragte, ob das so passen würde, und das mit einem “Jaja” abgenickt wurde.
Leider musste ich das erst einmal so hinnehmen.
Darauf fragte ich dann freundlich nach, wie ich denn an die Formulare käme, mit denen ich der Weitergabe meiner Daten widersprechen könne.
Die Antwort der Dame hat mich wahrlich von den Socken gehauen.
Ich muss nachweisen, dass ich um Leib und Leben bange, sprich: Strafanzeigen oder ähnliches nachweisen, damit die Stadt meine Daten nicht mehr an “Privatkunden”, wie die Dame sagte, weitergebe.
Das Wort “Privatkunde” hat mich doch sehr stutzig gemacht.
Hätte sie nur “Privatperson” gesagt, hätte es mir schon schwer zu denken gegeben, aber “Privatkunde” impliziert, dass die meine Daten tatsächlich verkaufen :/.
Mir werden also eine einhundert Euro Erstwohnsitzbonus verwehrt und obendrein handeln die mit meinen Daten, ohne dass ich mich dagegen wehren kann.
Super.
Baden-Württemberg hat bestimmt so etwas wie einen Landesdatenschutzbeauftragten.
An den wende ich mich mal.
8 Kommentare to Datenhandel
Oktober 17, 2009
Piratenpartei schreibt:
“Eine Auskunftsperre geht weiter als der Widerspruch gegen die Datenweitergabe. Bei einer Auskunftsperre wirst Du tatsächlich in der Meldestelle gesperrt und auch andere Ämter erhalten Deine Daten dann i. d. R. nicht mehr. Auch würde bei einer Auskunftssperre die Stadt/Gemeinde, in der Du zuletzt gewohnt hast, über die Auskunftssperre informiert werden, damit diese auch keine Daten mehr über Dich herausgibt.
Der Haken? Eine Auskunftssperre muss begründet werden und es gibt nur sehr wenige Gründe, mit denen Du eine Auskunftssperre genehmigt bekommst. Denn diese ist nur für ganz besondere Fälle, bei denen Gefahr für Leib und Leben besteht, vorgesehen, z. B. für Personen, die an einem Zeugenschutzprogramm teilnehmen. Deshalb verwende bitte immer nur die Formulare, die für den Widerspruch zur Datenweitergabe beinhalten, nicht die für die Auskunftsperre.”
Also, so weit ich es verstehe, scheint die Stadt Datenweitergabe mit Auskunftsperre gleichzusetzen.
Das wird noch ein Spaß.
Oktober 17, 2009
[...] Die Stadtverwaltung in Albstadt hat seltsame Ansichten bezüglich Datenschutz. [...]
Oktober 18, 2009
Hm ich glaub ich weiß warum die das machen. Zb wenn der neue Vermieter wissen möchte, wo der Mieter vorher gewohnt hat, zb um den Vormieter zu kontaktieren und befragen (Wenn verdacht besteht, dass der Mieter doch ein Mietnomade ist) z.b. Allerdings muss man einiges für die Abfrage wissen, nicht nur Name sondern auch Geburtsdatum und sowas.
Diese Datenabfrage über fremde Leute war schon in jeder Stadt und jederzeit möglich, man musste nur ein gewisses Wissen über die Person haben. Zb auch wenn man Nachforschungen über jemanden anstellen möchte, der sich einfach aus den Staub gemacht und seine Rechnugnen nicht beglichen hat, ohne direkt einen Ddektiv beauftragen zu müssen. Allerdings muss man auch dann wissen, in welche Stadt der abgehauen ist, sonst kann man ja nicht dort beim Amt anfragen.
Damals war dieser “Dienst” der Städte noch kostenlos, aber mittlerweile verlangen die ne Bearbeitungspauschale oder sowas, auch wenn die Daten alle via Computer abgerufen werden. Ich tippe mal darauf, um eine zusätzliche Hemmschwelle aufzubauen. Aber dennoch, ich fands auch nciht toll, dass jemand der ein paar Dinge über mich weiß rausfinden kann wo genau ich wohne…
Wollte nur erklären,d ass es in dem Fall tatsächlich mal nicht darum geht, sich zu bereichern. Bis vor einigen jahren hätte man das alles kostenlos über dich rausfinden können…
Oktober 18, 2009
Vor ein paar Jahren war dieser Datenhandel ja auch noch nicht so ein großes Thema.
Und da hat es mich noch nicht interessiert. Da war ich minderjährig und habe noch bei den Eltern gewohnt; da hatte ich bspw. noch eine Payback-Karte und fand es cool, MySpace zu haben und so oft wie möglich mit EC zu bezahlen.
Aber nun lebe ich eben jetzt, und jetzt habe ich mit der aktuellen Situation ein Problem. Ich bin mir sozusagen meiner Privatssphäre bewusst geworden.
Da hilft es mir nicht, dass das früher mal anders war oder mich früher nicht gestört hat; ich möchte, dass dieses Problem behoben wird.
Und es ist ja schön, dass die eine Bearbeitungspauschale erheben und daran vielleicht verdienen; das gibt denen aber nicht das Recht, mir mein Recht auf Selbstbestimmung zu nehmen.
Ich wäre ja fast sogar dazu bereit, denen das Geld, welches denen durch die Lappen geht, zu bezahlen; und fände es auch nicht schlimm, wenn ich von Fall zu Fall selbst entscheiden kann, wer meine Daten kriegt und wer nicht. Wenn also jemand im Einwohnermeldeamt anruft und meine Daten erfragt, sollte das Einwohnermeldeamt erst mich fragen, ob sie in diesem Fall meine Daten weitergeben dürfen, und das jedes Mal.
Aber pauschal möchte ich eben nicht, dass meine Daten weitergegeben werden.
Oktober 18, 2009
Klar, keiner will das. Ich glaube, man kann dagegen gar nichts tun, wahrscheinlich gibts irgendwo ne Verpflichtung für die das zu machen =P
Über das Amt kommen übrigens auch die Parteien an deine Postadresse, soweit ich weiß.
Oktober 18, 2009
Hallo zusammen,
hier: http://sankt-augustin.de/uploads/1078/anmeldungundbeiblattneu.pdf gibt es Infos zu der Anmeldung in der Weltstadt Sankt Augustin. Das enthaltene Merkblatt informiert über das Recht auf Einrichtung einer Übermittlungsperre. Diese unterteilt sich in ein Wiederspruchsrecht für bestimmte Organe/Parteien und der Einwilligung für Weiterleitung persönlicher Daten.
Ich hoffe Bekka hat den Namen der sie beratenden Person. Es ist schlichtweg Falsch, dass alle persönlichen Daten ohne Einwilligung an dritte weitergeleitet/verhökert werden können/dürfen.
Es ist richtig den Datenschutzbeauftragten einzuschalten, der dass ganze mal prüft. Dennoch sollte mal beim Bürgermeister nachgefragt werden, ob er wirklich den Reibach mit dem Datenhandel macht - oder ob die Tante vom Amt einfach zu blöd für ihren Job ist. In beiden Fällen sollte der Bürgermeister etwas unternehmen.
Gruß
Freddy
Oktober 19, 2009
Das grundsätzliche Problem dabei ist ja, dass diese Daten eben nicht nur an Leute rausgegeben werden, die wie in diesem Fall lieb einem was hinterher schicken wollten oder die berechtigterweise an ihre Kohle wollen. Das hier:
http://www.stern.de/panorama/datenhandel-verraten-und-verkauft-636773.html
aber beginnt auch oft im Einwohnermeldeamt. Und das ohne dass diese Firmen ein berechtigtes Interesse an meinen Daten haben, außer mit ihnen Geld zu verdienen. Was das Ganze erst recht zum Problem macht, ist dass man aktiv der Datenweitergabe widersprechen muss statt diese aktiv zu erlauben.
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Oktober 17, 2009